37 Jahre KNOLL

Nach 37 Jahren bei KNOLL blickt unser Vertriebsleiter Wolfgang Neuburger im Interview auf prägende Momente, Erfolge und persönliche Erfahrungen zurück – und verrät, worauf er sich im Ruhestand am meisten freut. 

Wie lange waren Sie bei KNOLL Maschinenbau GmbH beschäftigt? 

Ich habe am 1. April 1989 bei KNOLL begonnen. Insgesamt waren es 37 Jahre und drei Monate. 

Wenn Sie auf Ihre Zeit bei KNOLL zurückblicken: Welches Bild oder welcher Gedanke kommt Ihnen als Erstes in den Sinn? 

KNOLL ist ein außergewöhnlich tolles und fortschrittliches Unternehmen, für das es sich lohnt, sich einzusetzen. Vor allem aber sind es die engagierten und vertrauensvollen Mitarbeitenden. Ohne sie wäre das Unternehmen nicht das, was es heute ist. 

Wie sind Sie damals ins Unternehmen gekommen – und hätten Sie geahnt, dass daraus fast 40 Jahre werden? 

Ich bin über eine Zeitungsanzeige zu KNOLL gekommen, in der ein Vertriebsingenieur gesucht wurde. Zuvor habe ich bereits meine ersten Vertriebserfahrungen gesammelt. Mein Ziel war es, wieder in den Maschinenbau zu kommen und in einem jungen, fortschrittlichen Unternehmen zu arbeiten. Ich wollte mindestens fünf Jahre bleiben. Dass es am Ende fast 40 Jahre werden würden, hätte ich damals niemals gedacht. Zu dieser Zeit bestand der gesamte Vertrieb aus rund sechs oder sieben Personen, das Unternehmen insgesamt aus etwa 180 Mitarbeitenden. 

Sie haben den Vertrieb über Jahrzehnte maßgeblich gestaltet. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt? 

Der Austausch mit Menschen – Kunden zu beraten, gemeinsam mit Mitarbeitenden etwas zu bewegen, Dinge voranzutreiben und Verantwortung zu übernehmen. Ich bin ein kommunikativer Mensch, und der Vertrieb liegt mir im Blut. 

War die Vertriebsleitung von Anfang an ein Ziel für Sie? 

Mein Ziel war stets die persönliche Weiterentwicklung, nicht konkret die Position des Vertriebsleiters. Die Übergabe der Vertriebsleitung erfolgte über mehrere Jahre hinweg schrittweise. Parallel dazu habe ich meinen Technischen Betriebswirt gemacht, was mich fachlich wie persönlich enorm weitergebracht hat. Offiziell habe ich die Rolle des Vertriebsleiters Mitte der 1990er‑Jahre übernommen. 

Welche Stationen, Wendepunkte oder Entscheidungen waren für Sie besonders prägend? 

Vor allem organisatorische Veränderungen waren immer sehr spannend, aber auch zeitintensiv und herausfordernd. 

Wofür waren Sie im Vertrieb – bei Kunden wie auch bei Kollegen – besonders bekannt oder geschätzt? 

Vor allem für mein technisches Wissen, meine Offenheit und meine Verbindlichkeit. Das hat Vertrauen geschaffen und war mir immer sehr wichtig. 

Wenn Sie an Ihre fast vier Jahrzehnte im Unternehmen denken – welche Zeitspanne kommt Ihnen dabei am längsten, welche am kürzesten vor? 

Für Vertriebler fühlen sich Krisenzeiten immer am längsten an – wenn sie da sind, scheinen sie kein Ende zu nehmen. Das eigentliche Tagesgeschäft hingegen ist extrem schnelllebig. Insgesamt ist die Zeit unglaublich schnell vergangen, ohne dass man sie an einzelnen Momenten festmachen könnte. 

Welche Methoden oder Prinzipien haben Sie im Vertrieb besonders erfolgreich gemacht? 

Mein größtes Anliegen war immer das B2B‑Geschäft: Menschen kennenzulernen und Kunden zu gewinnen. Ein „Das kann ich nicht“ habe ich mir dabei nie anmerken lassen. Auch in schwierigen Situationen habe ich konsequent weitergemacht, nach vorne geblickt und Lösungen gesucht. Aufgeben kam für mich nicht infrage. 

Auf was blicken Sie in Ihrer Zeit im Vertrieb besonders stolz zurück?

Ich durfte das Wachstum von KNOLL über viele Jahre aktiv mitgestalten und rund 20 Bauabschnitte miterleben. Gemeinsam mit dem Team haben wir die Hallen mit Arbeit, Ideen und Leben gefüllt. Darauf kann man mit Recht stolz sein. Besonders stolz bin ich, dass es uns über viele Jahre gelungen ist, bestehende Kunden zu halten und langfristige Beziehungen aufzubauen und gleichzeitig neue Kunden für KNOLL zu gewinnen. Kundenbindung und Vertrauen waren mir dabei ebenso wichtig wie die Akquise. Entscheidend war für mich, Akquise dort einzusetzen, wo sie strategisch wirklich Sinn macht – sowohl für den Kunden als auch für das Unternehmen. Prioritäten richtig zu setzen und Ressourcen gezielt einzusetzen, sehe ich als einen der größten Erfolge meiner Vertriebsarbeit. 

Welche Erfahrungen oder Grundsätze möchten Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg geben? 

Entscheidend ist, die Technik und Anwendungen der KNOLL‑Produkte wirklich zu verstehen und vor allem genau zu wissen, was der Kunde möchte. Wir müssen Kunden nicht missionieren. Viel wichtiger ist es zuzuhören, ihre Ziele zu verstehen und sie auf ihrem Weg zu begleiten – gemeinsam, mit technischem Wissen, mit Mut und auf Augenhöhe. Das Zitat von dem dänischen Philosophen Søren Kierkegaard ist dabei sehr treffend: „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“  Es bedeutet, dass wir Entscheidungen in der Gegenwart ohne volles Wissen über die Zukunft treffen, Sinn und Zusammenhänge jedoch oft erst im Nachhinein durch Rückblicke erkennen. 

Was haben Sie an Ihren Kolleginnen und Kollegen besonders geschätzt? 

Die Verlässlichkeit, das technische Wissen und den Teamgeist. Ich habe viele Mitarbeitende erlebt, die bereit waren, für Kunden einen Schritt mehr zu gehen – sei es bei Projekten, Flexibilität in der Arbeitszeit, bei Kundenbesuchen oder auf Messen. Unterstützung war selbstverständlich und geprägt von Einsatzwillen, Freundlichkeit und Vertrauen. 

Welche Veränderungen im Unternehmen haben Sie besonders positiv erlebt? 

Die Einführung interdisziplinärer Teams. Mir war es immer wichtig, Verantwortung zu übertragen und Mitarbeitenden Entscheidungsspielräume zu geben. Führung bedeutet für mich Vertrauen statt Hierarchie – davon bin ich überzeugt. Wir haben uns dabei sehr gut verstanden: Jeder wusste, was der andere wollte, woran wir glauben und was wir annehmen. Ich bin der Meinung, alles, was dem Unternehmen guttut und es weiterbringt, dafür sollten Mitarbeitende auch Verantwortung übernehmen dürfen. 

Was war der schönste Moment Ihrer Karriere? 

Es gab nicht den einen Moment, sondern viele. Ich war immer sehr gern auf Messen – der Kontakt mit vielen Menschen oder das Referieren vor einem Plenum, wo man das Menschliche und das B2B gleichermaßen erlebt. Ebenso die Erfolge bei Auftragsvergaben, vor allem dann, wenn man um einen Auftrag gekämpft und ihn schließlich gewonnen hat. Auch die Wertschätzung durch andere Unternehmen und das Wissen, dass man gemeinsam mit seinem Team dazu beigetragen hat, waren für mich besondere Momente. 

Gab es eine Begegnung mit einem Kunden oder Kollegen, die Sie besonders geprägt oder begleitet hat? 

Es waren vor allem die Kontakte zu langjährigen Wegbegleitern – zu Kollegen, die heute nicht mehr im Unternehmen sind, sowie zu verschiedenen Kunden, Geschäftspartnern und Familien. Wenn solche Verbindungen über das Ausscheiden hinaus Bestand haben, dann hat man wohl nicht allzu viel falsch gemacht. Dabei ging es nie nur um das Geschäftliche, sondern immer auch um das Menschliche. Man teilt viele private Momente und Erfahrungen.  

Wie fühlt es sich an, nach fast 40 Jahren im Unternehmen nun kurz vor der Rente zu stehen? 

Es fühlt sich gut an. Grundsätzlich freue ich mich sehr auf das, was jetzt vor mir liegt. 

Welche Gedanken oder Gefühle begleiten Sie aktuell besonders, wenn Sie an den neuen Lebensabschnitt denken? 

Ich freue mich darauf, mehr Zeit für mich, meine Familie und unsere Enkel zu haben. Meine Karriere war nur möglich, weil meine Frau über viele Jahre hinweg den gesamten Alltag in der Familie organisiert hat – vom Haushalt bis hin zu technischen Themen mit Handwerkern. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten. Nun freue ich mich darauf, etwas davon zurückgeben zu können. 

Was werden Sie im Arbeitsalltag am meisten vermissen? 

Die Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich ein vertrautes Verhältnis hatte, die mich in meiner Karriere unterstützt haben und das sind ganz viele. 

Und was – ganz ehrlich - werden Sie nicht vermissen? 

Die Flut an E-Mails, Teams und sonstige Kommunikationsmittel. Mein Arbeitsalltag sah über all die Jahre so aus, dass ich bis spät abends – oft noch vorm Fernseher – E‑Mails geschrieben und geprüft habe, auf LinkedIn unterwegs war oder anderes Geschäftliches erledigt habe. Selbst im Urlaub gehörten täglich 20 oder 30 Minuten dem Geschäft. Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass keine E‑Mails mehr kommen und ich kein Geschäftshandy mehr habe. Auch meine Frau fragt mich schon, was ich morgens beim Frühstück machen werde – bisher habe ich dort immer Termine und Nachrichten gecheckt. Das war einfach meine Arbeitsweise. Ich hatte mein Geschäftshandy eigentlich nie ausgeschaltet. Ich wüsste wahrscheinlich nicht mal, wie man es einschaltet. Daran werde ich mich erst gewöhnen müssen. 

Was wünschen Sie dem Unternehmen und dem Team für die Zukunft? 

Ich wünsche dem Unternehmen alles erdenklich Gute und dass es sich weiterhin lohnt, sich für dieses Unternehmen einzusetzen und alles zu geben. Hier findet man alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein – angefangen bei sehr guten Arbeitsplätzen. Dafür lohnt es sich, sich einzusetzen und das Unternehmen mit Weitsicht bei den Kunden richtig zu positionieren. 

Das Geschäft beschränkt sich längst nicht mehr nur auf den mitteleuropäischen Raum, sondern ist heute international ausgerichtet. Das bringt sicherlich Herausforderungen mit sich, insbesondere für den Vertrieb. Umso wichtiger ist es, sich kulturell weiterzubilden und die unterschiedlichen Kulturen zu verstehen. Aber dieser Einsatz lohnt sich. 

Was möchten Sie im Ruhestand nachholen oder erleben? 

Ich freue mich auf mehr Zeit für sportliche Aktivitäten, fürs Reisen und für meine Familie. Besonders schön ist es, das Aufwachsen der Enkel mitzuerleben. Außerdem möchte ich mich weiterhin ehrenamtlich engagieren und meine Kinder weiterhin auf ihrem beruflichen Weg unterstützen – langweilig wird mir sicher nicht. 

Und zum Schluss: Wie sieht Ihr perfekter erster Tag im Ruhestand aus? 

Über den perfekten Tag habe ich mir bislang keine Gedanken gemacht. Ich möchte die Tage so nehmen, wie sie kommen, und einfach das Beste daraus machen. Eines ist mir dabei klar: Das, was ich noch erleben möchte, will ich in den nächsten Jahren gemacht haben. Irgendwann wird vieles beschwerlicher, und jedes Jahr, das hinzukommt, ist wie ein Geschenk. Ich möchte die Zeit künftig anders einteilen und bewusst in vollen Zügen genießen, in der Hoffnung  bei anhaltender und guter Gesundheit.  

Ruhestand ist – wenn der Ernst des Lebens Pause macht! 

  

Wir danken Wolfgang Neuburger herzlich für 37 Jahre Engagement, Verlässlichkeit und Einsatz für unser Unternehmen und wünschen ihm für seinen neuen Lebensabschnitt alles Gute!